"Aber heute einen Fernsehredakteur von der Kinoqualität

                          eines Drehbuchs zu überzeugen, das ist kaum noch möglich."

 

                                      Wim Wenders in der SZ vom 11.08.06

 

 

Sehr verehrte Damen und Herren,

ich weiß nicht, ob Filme die gemacht werden, scheitern können?!

Wenn ja scheitert der deutsche Film im Kino zu über 90 %, da er beim Publikum bei einem desolaten Eigenanteil um die 10% herum dümpelt und zudem 24 Jahre keinen Preis in Venedig, sowie 22 Jahre keinen in Cannes gewann und davon elf Jahre noch nicht einmal dort im Wettbewerb war. Auch nur alle 23 Jahre mal einen Auslandsoscar gewinnt und auch nur alle 19 Jahre im eigenen Land einen goldenen Bären gewinnen kann. 

Nun, in einer Filmindustrie, in der 93 % aller programmfüllenden Filme übers Fernsehen angeschoben werden müssen, können auch nur Fernsehfilme entstehen, die nicht nur im Kino, sondern auch auf internationalen A-Festivals scheitern müssen. Denn das Fernsehen sucht seine Projekte nach einer Form von Authentizität oder Kreativität aus, die gerne Wahrhaftigkeit oder Originalität sein möchte, aber in seinen Grenzen von 37 cm entweder nicht mehr als nur eine geheuchelte Form von  Realismus oder platte Oberflächlichkeit sein kann!

Während das Kino nach einer Authentizität verlangt die Wahrhaftigkeit sein muss und nach einer Kreativität, die sich in Originalität ausdrücken muss, um im Kino zu bestehen! Aus diesem Grunde ist es nahezu unmöglich in Deutschland einen deutschen Kinofilm zu drehen, der sowohl im Kino als auch auf internationalen A-Festivals bestehen kann. Die vier Ausnahmen in den letzten 20 Jahren bestätigen dies.

In diesem Dilemma steckt der deutsche Film nun schon seit ewigen Zeiten und aus Mangel an Courage ist auch niemand gewillt dies zu ändern! Indem man z.B. die Märkte voneinander trennt, die Filmförderung auf Kinofilme beschränkt und ein paar Dinge mehr.

All dies wäre eine Revolution. Aber dazu müsste man den Rasen betreten. Was man in diesem Land ja bekanntlich nicht darf.

Das ist das wahre Scheitern des deutschen Films. Scheitern aber nicht daher auch gerade die Filme, die aus obigen Gründen nicht gemacht werden können und scheitert nicht mit ihnen der deutsche Film, da ihm diese Projekte fehlen?! Insofern wäre es interessanter Projekte zu beleuchten, die in diesem Land nicht gemacht werden können und warum nicht?! Dieses Thema wäre, glaube ich, ergiebiger.

Dann hört auch das Jammern auf!

Aber zu all dem brauchte man eine befreite deutsche Identität, die ja erst seit der Weltmeisterschaft überhaupt gesehen wurde. Selbst, wenn man all dies ändert, wird es so noch mindestens 10 - 15 Jahre dauern, bis der deutsche Film international konkurrenzfähig sein kann. Ich weiß nicht, ob man, wenn man kein Fernsehen machen möchte, in diesem System zu scheitern wirklich Scheitern nennen kann? Oder ob man seiner Zeit einfach 10 - 15 Jahre voraus ist oder wie Mark Twain gesagt hat "Menschen mit einer neuen Idee gelten, solange als Spinner bis sich die Sache durchgesetzt hat!"

 

Hallo lieber F- P,

ich habe mit Interesse Ihre mail gelesen.

Ich kann mir durchaus vorstellen, das Ihr Artikel Reisig für unseren vor sich dümpelnden Diskurs darstellen könnte.

"Die Filmförderung, die "angehimmelte" Sonne, erzeugt mehr Schatten als geblendete Starlets."

Ich meine, ich kann Ihren Ausführungen zum Teil zustimmen.

Also, darf ich diesen ins Forum stellen?

Es wäre mir eine Freude.

 

gruss  hwmueller  

 

Lieber HW Mueller,

wo können sie denn nicht zustimmen? Ich glaube, das sollten wir vielleicht erstmal besprechen.

Denn ich glaube auch, dass das Fernsehen einen viel höheren Anteil an der desolaten Situation hat, als die Filmförderung. Vielleicht sollte man den Text wirklich ins Forum zu stellen? Vielleicht kommt dann mal eine Diskussion in Gang? Aber da in diesem Land auch gilt "eine Reflexion findet nicht statt", ist es sicher auch nicht unproblematisch. Denn das die Institutionen und Personen, die diese Situation zu verantworten haben, diese Situation nicht so wahrnehmen (wollen), ist ja auf fatale Weise problemimmanent, da sie dieses Problem nicht so sehen und daher nichts ändern (wollen). Tja und leider auch sehr ungehalten reagieren, wenn man es Ihnen vor Augen führt.

 

Hallo lieber F-P,

ja, das Fernsehen hat den Löwenanteil an der ästhetischen Vergleichgültigung, weil es sich wie ein gefressiges Tier über die Filmförderung finanzieren lässt. Das nennt man Co-produktion. Da wird der ganze Beamtenapparat einer Sende-Anstalt(was für ein Wort!) auf Trab gehalten.

 

Sie erhalten sehr schnell Förderung, wenn ein Redakteur Interesse zeigt. Wohlmöglich Cooperation wüncht. D.h. Sie, als Antragsteller(auch wieder so ein Wort) liefern das Skript und Geld(der berühmte Eigenanteil), die Förderung liefet den  Kredit und das Fernsehen den lahmen Aufnahmeapperat.

Das Fernsehen glaubt allmächtig zu sein, dass es sich über Jahre eine mafiaähnliche Eintreibungsmaschinerie anentwickelt hat(GEZ) und glaubt alle stimmen zu, weil ja alle zu schauen. Ich will jetzt nicht platt werden: die Fliegen fliegen zur Sch.... Wer das Geld hat, sagt wohin gesegelt wird.

Und ängstliche Käpitäne segeln am liebsten im Kreise- um ihre eigene Nase...

 

So traurig Herr Wenders auch räsoniert, ihm fehlt der Mut, der Mut der Verzweiflung, weil er auch ein Kind dieses Systems ist. Das ihn mit Schweigen strafen kann...

Mit unserem Festival werden wir andere Türen aufstossen.

Das ist unsere Hoffnung. Und die Vorstellung über nicht gedrehte Filme zu sprechen...Friedhofsdialoge...spannend...

also weitersprechen: ins Forum?

 

gruss hwmueller

 

das Deutsche war schon immer ein wenig Dünkelhaft...und die deutsche Filmindustrie ist da ein recht abstossendes Beispiel. Weil Dünkel erzeugt Angst, und Angst erzeugt Mittelmässigkeit...Wer Angst vorm Scheitern hat, scheitert