Tsunami oder die Maximale Mitmenschlichkeit
Regie:  Connie Walther, Matthias Schwelm  Genre: Satire  Jahr: 2006    Format: Digi-Beta    Länge: 15 min
Kamera: Michael Kotschi    Drehbuch: Connie Walther, Matthias Schwelm    Produzent: Connie Walther
Darsteller:  Ulrich Noethen, Sabine Urig, Luke Hendel    
Ton: Afrim Parduzi    Musik: ---    Schnitt: Julia Karg    webside: die-agenten.de

Inhalt: Ein 15minütiger Versuch, eine angemesse Haltung zu finden zu einer Katastrophe, die ausschließlich über öffentlich-rechtliche Berichterstattung erfahren wird

warum gescheitert: „Tsunami oder die Maximale Mitmenschlichkeit“ ist kein unbedingt schlechter Film, er funktioniert nur einfach nicht. Man versteht ihn nicht. Das wird erst besser, wenn man ihn 3, 4x anschaut. Tja. Man kann das Verstehen auch auf 1 1/2x sehen abkürzen, wenn man ihn beim ersten Mal mit geschlossenen Augen sieht, wenigstens bis zur Hälfte, bis dorthin, wo man eine ganze Weile nichts mehr hört. Dann kann man stoppen, zurückspulen und noch mal von vorne anfangen, dieses Mal mit geöffneten Augen. Dann funktioniert er optimal! Und man sollte ihn unbedingt bis zum absoluten Abspannende anschauen, sonst verpasst man die unmittelbare, reine Mitmenschlichkeit! Ich vermute, das sind einfach zu viele Verständnis-Bedingungen. Man weiß ja, unter welchem Zeitdruck Festival-Auswahlgremien sich Filme anschauen müssen. Die spulen tatsächlich öfter mal, aber meist nach vorne, nicht zurück. Dann hat„ Tsunami oder die maximale MItmenschlichkeit“ gar keine Chance mehr. Deshalb ist er überall abgelehnt worden. Er ist wirklich was ganz Besonderes: der einzige meiner Filme, der noch nie irgendwo eingeladen wurde!Es wäre also eine WELTURAUFFÜHRUNG, wenn er beim „Festival des gescheiterten Films“ liefe! Soll ich jetzt noch schreiben, was genau der Hauptfehler des Films ist oder möchten Sie ihn erst anschauen? Wenn ja (also erst anschauen), dann ab jetzt nicht mehr weiterlesen!!! Natürlich habe ich irgendwann bei der Fertigstellung bemerkt, dass „Tsunami oder..“ ein ziemlich großes Problem hat. Da war es aber schon zu spät: Matze, mein Coregisseur, drehte irgendwas in Albanien, die Cutterin Julia steckte längst in einem anderen Projekt und Jörg, der den Film als Freundschaftsdienst gemischt hat, hatte nur an einem bestimmten Wochenende Zeit. Und da ich meine eigene Produzentin und längst over Budget war, entschied ich, es dabei zu belassen. Hatte ja tatsächlich eine Erkenntnis gewonnen: dass sich einmischende Produzenten und bedenkentragende Redakteure für mich als besserwissende Regisseurin zwar die Hölle sein können, aber durchaus eine wichtige Funktion haben. Sie spucken meist rechtzeitig in die Suppe. Das ist zwar höchst unangenehm, aber manchmal sehen sie tatsächlich, dass man dabei ist, einen großen Fehler zu machen. Oder sie regen sich über was ganz anderes auf, und beim Verteidigen des Ist-Zustands bemerkt man, dass das, was man da grad verteidigt, noch gar nicht drin ist im Film... Also: der Haupt-Fehler von „Tsunami oder so..“ ist: die dritte Hauptfigur ist unsichtbar. Alle schauen auf Ulrich Noethen und Sabine Urig und keiner hört auf den Fernseher. Und deshalb versteht keiner, dass „Tsunami oder die Maximale Mitmenschlichkeit“ eine massive Kritik an der medialen Katastrophen-Berichterstattung ist und daran, wie wir als Zuschauer Anteil nehmen! Der Film ist eigentlich ein Plädoyer für wahrhafte Mitmenschlichkeit! Und deshalb wirklich jammerschade, dass man all das kaum hört und sieht beim ersten Anschauen! Aber vergnüglich ist er trotzdem, deshalb wünsch ich viel Spaß beim anderthalben Gucken! Connie Walther

Unser Kommentar: Banda Ace ist inzwischen die Region mit der grössten Landroverdichte. "Wenn die Vernunft schläft, steuern uns die Bilder!"(Alexander Glück, "Der Spendenkomplex") Milliarden flossen aus missverstandenem Mitgefühl. Da macht man Erdenbewohner auf der anderen Seite des Globus zu Bittstellern und Steinzeitmenschen. Das bei der Pervertierung unserer ganz natürlichen Emphatie ein Herr Köhler mitmacht ist erschreckend und beschämend. Ich habe mir den Film 3 Mal angeschaut und bin froh darüber.