Papua gegen uns
Regie:  Heizo Schulze  Genre: Dokumentarfilm  Jahr: 2006    Länge: 83 min
Kamera: Heizo Schulze, Christoph Kadlubski    
Darsteller:      
Ton: Heizo Schulze    Musik: Stämme der Dani & Lani    Schnitt: Heizo Schulze    webside: www.west-papua.info

Inhalt:  Die Erde schrumpft. Eine ostdeutsche Reisegruppe begibt sich auf Trekkingtour in den Dschungel West-Papuas. Durch Gespräche mit drei sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten der gastfreundlichen Stämme der Dani und Lani erfahren wir von der noch fast ursprünglichen Welt, dem Denken und Handeln dieser Menschen. Sie verraten, was für sie Tradition und Glaube, Geld sowie Sexualität und Partnerschaft bedeuten. Mit den Reflexionen der Reisenden erleben wir den Kontrast der so verschiedenen Weltbilder in dieser atemberaubenden Natur. So sehr sich die neugierigen deutschen Urlauber auch mühen, dem Urvolk behutsam nahe zu kommen, bleiben sie doch eigenartige Fremdlinge aus einer anderen Welt.

warum gescheitert: Der Kontrast zwischen einer ostdeutschen Reisegruppe und den Ureinwohnern West-Papuas birgt eine gewisse Brisanz, welche vom Fernsehen und von Festivals gescheut wird.

Unser Kommentar: Der Kolonialismus hat ein neues Gesicht: die Fratze des Tourismusses. Mit den Wilden auf Augenhöhe, nachdem sie unser Gepäck durch Schlamm und Dschungel geschleppt haben. Und nebenbei, quasi all inklusive, erfahren wir ein wenig über die Schlafzimmergewohnheiten der Halbnackten. Ein Mann der 4 Frauen hat, ein Haarem! Da knallt die Phantasie durch. Aber die Frauen wurden gekauft und daher hat der Käufer ein tägliches Nutzungsrecht, dass gelegentlich auch mit Prügel eingetrieben wird. Dieser Film zeigt - bar jeder political correctness - wunderbar und unprätenziös wie zwei Kulturen ungebremst aufeinanderprallen. Das die Hobbyethnologen aus Ostdeutschland stammen, macht die Sache nicht brisanter, aber für die Filmpolizei schon wegen Aussagen wie "Man kommt sich vor, wie in eine andere Zeit zurückversetzt" ungeniessbar. Nach erworbener Freiheit ist die zweite Hälfte Deutschland mit Rucksäcken und Lastminutestiefeln über den Erdball hergefallen und macht die gleichen Fehler? Nein, mitnichten! Die Eastler gehen viel behutsamer vor. Dennoch bleibt die Frage: kann man nicht endlich die fremden Kulturen in Ruhe lassen, statt sie mit unserer Dummheit zu verseuchen? Ihnen Buntstifte aus Plastik zu schenken, die alles andere als biologisch abbaubar sind? Die Doku der Reisegruppe hat mit einem Schlag mehr geschafft, als tausend andere Schnarchdokus des ÖR über ferne Länder. Sie hat gezeigt, dass Globalisierung gerade für die vermeintlich "Ärmsten", was immer das bedeuten soll, ein Geschenk sein kann, auch wenn es nur ein wärmendes T-Shirt ist. Sie zeigt auch auf die Wunde: es gibt kein zurück. Die Würfel des Fortschritts sind gefallen. Dafür sollten wir den Filmemachern dankbar sein. Auch für den unverwischten Blick auf Einzelschicksale: als der Papuamann davon träumt, sein Studium zu beenden. Spätestens hier sind wir in der Echtzeit angelangt und spüren, wir eng die Welt zusammengewachsen ist. Dank auch an die offenherzige Gruppe.